Bloggende Politiker

Categories: Netzwelt, Politik, WordPress
Written By: Valentin Tomaschek

Die momentane Diskussion um bloggende Politiker bzw. wieso die Politik generell im Internet so wenig aktiv ist beschäftigt mich momentan natürlich auch.

Ich glaube für die Mandatsträger ist es entweder einfach schwierig die Zeit und die Motivation zu finden, um sich auf anspruchsvolle Weise im Internet zu präsentieren. Dabei geht es nun nicht um eine statische Webpräsentation, sondern vielmehr um einen Blog. Denn die Ansprüche, und das zeigt auch die momentane Diskussion, ist wirklich hoch. Ausserdem geht es nicht nur darum als Politiker mal eben ein paar Texte und Gedanken reinzukloppen, sondern dies auch auf authentische Weise zu tun. Immerhin stehen Mandatsträger dann nicht nur der anderen Blogger gegenüber die mal einen humorvollen Beitrag zu deuten wissen, sondern auch der “Standard-Presse” die gerne mal zweideutig oder auch unwichtige Sachen zu schnell und zu gross aufbläst.

Beispielsweise hat Michael Neumann, Vorsitzender der SPD Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft (Landesparlament) im letzten Jahr es sich fast mit den Clowns verscherzt. Die Bild-Zeitung hatte einen seiner Artikel etwas zu ernst genommen bzw. setzte sogar nochmal nach.

Da kann ich auch eine gewisse Unsicherheit verstehen. Ein Politiker bekommt von Anfang an mit wie er sich auf Infoständen zu verhalten hat, weiss natürlich wie man mit Leuten “face to face” reden muss und wie es sich gehört. Woher soll dieser aber wissen dass schon eine Änderung der Schrift (Beispiel Fett- und Grossschrift) die Aussage und die Aggressivität des Artikels ändert?

Auch fehlen da ein wenig die Vorbilder und Mentoren, denn wie alle Menschen (Ja, auch das sind Politiker ;) ) orientieren sie sich gerne an diesen, wenn sie Neuland betreten. Der Zeitaufwand wird dadurch natürlich nicht geringer, wenn man sich auf diesem Neuland erst einmal zurecht finden muss und daran scheitert es dann oftmals. Das wird dann aber durch Vorbilder, wie beispielsweise Klaus, Carola und Michael in Hamburg, für die nachfolgenden Abgeordneten leichter fallen. (Update: Auch Hans Jörg gehört natürlich dazu!)

Doch wo liegen eigentlich die Vorteile, wenn sich ein (Lokal-)Politiker mit einem Blog im Internet präsentiert? Der Zeitaufwand sich mit dem Thema soweit erstmal auseinanderzusetzen dass man sich sicher genug fühlt und es anfängt Spass zu machen ist für viele Mandatsträger zu gross, als dass sich der Nutzen rechnet. Das Feedback auf die Beiträge ist gering und die Besucherzahlen bleiben am Anfang sowieso erstmal im Keller. Da hat man es wesentlich einfacher durch normale Pressemitteilungen und an den Infoständen die Bürger zu erreichen. Generell sind Kommentare bei solchen Blogs eher mit Vorsicht zu geniessen. Ich persönlich habe den Eindruck als wenn viele Besucher sich scheuen einen Kommentar zu hinterlassen, weil Sie sich nicht vorstellen können dass ein Mandatsträger überhaupt antwortet (Ja, ein Teufelskreis). Oder sie “trauen” sich und merken ein halbes Jahr später dass sie unter ihrem Namen nun mit einer bestimmten Partei bei Google in Verbindung gebracht werden und bitten diesen Kommentar wieder zu entfernen oder den Namen abzuändern.

Auch nutzen viele solch eine Kommentarfunktion um oft nur ihren Unmut loszuwerden und rumzupöbeln. Sicher, solche Leute hat man auch an den Infoständen, aber hinterm Rechner verlieren viele Leute die sich normal am Infostand zurücknehmen würden die Beherrschung. Es ist schwierig da gerade am Anfang wirklich den Mehrwert zu erkennen. Zu unwirklich sind irgendwelche Statistiken.

Und leider gibt es auch oft keine grosse Unterstützung für Politiker von eben der Gruppe die momentan so sehr verlangt dass die Mandatsträger sich anschliessen.

Anmerkung: Ja, ich bin selbst Parteimitglied und betreue technisch(!) die Blogs von Carola Veit und Michael Neumann. Klaus Lübke ist für seinen Kram allerdings ganz alleine verantwortlich und hat dafür meinen Respekt!

7 Responses to “Bloggende Politiker”

  1. Rob Says:

    vielleicht liegts am meinem Alter, aber ein kleiner offtopic Hinweis: Der Text ist für mich schwer zu lesen, bisserl mehr Zeilenabstand täte gut;)

  2. Nils Says:

    Dafür lese ich immer im Feedreader… :-)

  3. Robin Says:

    Das mit den Kommentaren ist ein guter Hinweis.

  4. Politische Blogger - Bloggende Politiker (III): Zeitbudget und Arbeitsprozesse : reichelS.ORG Says:

    [...] Thema “Bloggende Politiker” ist ja nun in aller Munde. Da fiel mir doch gerade ein, dass dazu noch ein Entwurf auf  meinem Tellerrand [...]

  5. Carola Says:

    Tja, und dann ist es noch so, dass unsere webdesigner viel mehr Zeit [fett, das geht in der Kommenarfunktion nicht] haben, sich im web zu tummeln als wir, die wir unsere konventionellen Pressemitteilungen dann auch noch mal eben ins Netz *kloppen* müssen… Heißt: wir präsentieren uns. Aber tummeln uns nicht auch noch stundenlang anderswo. Weil wir dann doof in so komischen Parlamenten oder Podiumsdiskussionen oder Parteiveranstaltungen oder Pressekonferenzvorbereitungssitzungen oder … oder so rumsitzen [kursiv].
    Ich persönlich zieh grad ganz unvirtuell [fett] mit meinem Abgeordnetbüro um. Das ist wohl ähnlich wie webspace aquirieren und mit der homepage nach relaunch umziehen oder so….

  6. Valentin Tomaschek Says:

    Seht ihr, beim kommentieren fängt es schon an. Jemand der ständig auf Blogs unterwegs ist weiss das man mit einem b in den <> Klammern Text fett darstellen kann. Geht auch mit em um Text kursiv anzeigen zu lassen.. Aber mal ehrlich… woher solll man sowas direkt wissen wenn nicht durch viel Zeit im Internet verbringen. Dafür braucht man aber entweder viel Freizeit oder man bewegt sich von berufswegen viel im Netz.

  7. Politikblogger - ein Überblick at Robin Haseler Says:

    [...] http://blog.nrwspd.de/2008/07/23/blogs-diskussion-wie-politblogs-gestalten/ http://www.installmehere.net/bloggende-politiker/ http://www.gelsenclan.de/index.php/politbloggen-auf-lokaler-ebene/ [...]

Leave a Reply